Hybride Lehre und hybride (Lehr-)Veranstaltungen
Im deutschsprachigen Bildungsraum wird seit der Corona-Pandemie von hybrider Lehre und hybriden (Lehr-)Veranstaltungen gesprochen. „Hybrid” wurde in diesem Zusammenhang oft dafür eingesetzt, um die Verschmelzung von Präsenz- und Online-Veranstaltungen hin zu einem neuen Lehrformat zu umschreiben. Didaktische Herausforderungen und strategische Potenziale hybrider synchroner Lehre stellt das Hochschulforum Digitalisierung vor im Diskussionspapier Nr. 31 im Juni 2024 vor. Der dort vorgestellten Arbeitsdefinition folgen wir.
Einstieg in hybride Formate und Szenarien
Unter hybriden Formaten verstehen wir in diesem Zusammenhang Lehr-Lernsettings, in denen Personen zur gleichen Zeit von verschiedenen Orten aus und über unterschiedliche Medien teilnehmen. Ein Teil der Personen befindet sich dabei in zentralen Lehrorten wie z. B. Hörsäle, Seminarräume. Durch hybride Formate kann zum Beispiel die Teilhabe erleichtert werden. In manchen Fällen – etwa bei internationalen Lehrangeboten – lässt sich eine Veranstaltung teilweise nur auf diese Weise überhaupt umsetzen.
Für die Umsetzung hybrider Formate bedarf es entsprechender Infrastruktur und dazu passender Szenarien. An der Pädagogischen Hochschule Weingarten stehen hierfür verschiedene Räume zur Verfügung mit unterschiedlicher Ausstattung (Owl, Zoom Connector, Zoom Rooms), in denen unterschiedliche Veranstaltungsformate realisiert werden können. Die vorhandene Technik lässt sich je nach Lehr-Lernsetting – von der klassischen Vorlesung bis zum seminaristischen Arbeiten – unterschiedlich nutzen, um Präsenz- und Online-Teilnahme zu kombinieren.
Bei der Planung hybrider Lehr‑Lernsettings spielt der gewünschte Grad an Interaktion eine zentrale Rolle. Anhand dieser lassen sich grundsätzlich drei unterschiedliche Abstufungen zur Realisierung von hybriden Formaten, die jeweils mit anderer Interaktivität verbunden sind, unterscheiden. Zu Beginn sollte daher ein vorrangiges Ziel geklärt werden, da sich unterschiedliche Zieldimensionen – etwa zeitliche und räumliche Flexibilität, Interaktivität oder Aufzeichnungsmöglichkeiten – nur begrenzt gleichzeitig optimieren lassen.
Eine mögliche Abstufung reicht von einer (1) primär zuschauenden Teilnahme in einer Präsenzveranstaltung mit synchroner Online‑Übertragung (Livestream) und Rückmeldung über einen Chat, über (2) Formate mit zusätzlich akustischem Feedback aus dem Online‑Raum, bis hin zu (3) Settings mit bidirektionaler Kommunikation, in denen Fragen und Beiträge aus dem lokalen Raum, z. B. Hörsaal, und aus dem Online‑Raum gleichermaßen hörbar sind. Mit jeder Stufe steigen die Anforderungen an Technik, Moderation und Datenschutz – aber auch die Möglichkeiten, Lehrende und Lernende über verschiedene Orte hinweg aktiv einzubinden.
Um Grenzen und Herausforderungen besser einschätzen zu können erfordern hybride Lehr-Lernsettings daher eine sorgfältige Planung der Interaktionsformen, eine realistische Einschätzung der technischen Möglichkeiten (z. B. Tonqualität, Kameraperspektiven) und oft auch eine Rollenverteilung im Raum (etwa technische Unterstützung), damit sowohl die Teilnehmenden vor Ort als auch die online Teilnehmenden gut eingebunden werden können.
Hybride Hörsaalnutzung
An der PH Weingarten gibt es zwei sogenannte Streamingräume, die als zentrale Hörsäle mit Hardware für hybride Veranstaltungen ausgestattet sind. Diese wurden für Lehr-Lernsettings des Typus Präsenzveranstaltung mit synchroner Online‑Übertragung (Livestream) eingerichtet. Dies ermöglicht neben dem Livestream aus dem Hörsaal auch eine Interaktion und Kommunikation mit den online Teilnehmenden. Für die Interaktion mit den online Teilnehmenden eignet sich Feedback über Chat (Vorlesen bzw. Wiederholen der Fragen durch die Moderation bei der Beantwortung). Diese Räume sind sehr gut geeignet für eine parallele Vorlesungs-/Veranstaltungsaufzeichnung.
Zudem ist es möglich eine Präsenzveranstaltung mit mit synchroner Online‑Übertragung (Livestream) und akustischem online Feedback durchzuführen. Wichtig hierbei: online Fragen und Kommentare sind live im Saal zu hören, Fragen und Anmerkungen aus dem Hörsaal werden von der Moderation wiederholt, Aufzeichnungen sind aus Gründen des Datenschutzes nicht bzw. nur eingeschränkt möglich. Um Reaktionen der online Teilnehmenden mitzubekommen, ist es wichtig, dass auch Teilnehmende ohne Bild angezeigt werden, da sonst z. B. deren Meldung über Hand heben nicht angezeigt wird.
Für die Basisnutzung stehen vor Ort eine Webcam, ein Beamer, ein höhenverstellbares Pult mit Steckdosen, HDMI-Kabel und ein Adapter auf USB-C für das Verbinden mit dem Beamer, Hörsaal-Richtmikrofone und ein Medientechnik-Panel zur Raumtechniksteuerung zur Verfügung. Zur Verwendung für Online-Übertragung steht Zoom zur Verfügung.
Für die Erhöhung der Interaktion in hybriden Formaten steht an der PH Weingarten nun ein Raum zur Verfügung, der als Zoom Room ausgestattet ist. In diesem können auch hybride Veranstaltungen mit bidirektionaler Kommunikation durchgeführt werden. Das bedeutet, dass nun in der Präsenzveranstaltung mit synchroner Online‑Übertragung auch bidirektionales Feedback möglich ist. Fragen und Anmerkungen im lokalen Raum sind nun auch online zu hören, Online-Fragen sind im Saal zu hören. Die Aufzeichnung ist aus Gründen des Datenschutzes im Regelfall nicht möglich. Für die bidirektionale Kommunikation stehen neben dem Richtmikrofon am Pult auch zwei Handmikrofone und ein Headset den Lehrenden für ihre Veranstaltungen zur Verfügung. Diese müssen über das Medientechnik-Panel aktiviert werden. Zudem ist es möglich die Kamera auf den Raum zu richten oder dem Moderierenden folgen zu lassen.
Empfehlungen für den Einstieg in hybride Lehr‑Lernsettings
Vorab Raum und Technik testen
Vor der ersten hybriden Lehrveranstaltung sollte das geplante Setting mindestens einmal im Raum ausprobiert werden. Nehmen Sie sich genügend Zeit, um u. a. zu klären: Welche Geräte werden wo angeschlossen? Welche Einstellungen sind an der Mediensteuerung notwendig? Welches Mikrofon und welche Kamera sind in Zoom bzw. im Zoom Room auszuwählen? Für die eigentliche Lehrveranstaltung ist es hilfreich, frühzeitig vor Ort zu sein, um die Technik in Ruhe in Betrieb nehmen zu können.
Moderation und Einbindung der Online‑Teilnehmenden
In synchronen Online‑Übertragungen (Livestreams) und anderen hybriden Formaten ist es eine Herausforderung, gleichzeitig den lokalen Raum und den Online‑Raum im Blick zu behalten. Bewährt hat sich, entweder feste Zeiten und Formen für die Interaktion der Online‑Teilnehmenden einzuplanen (z. B. gezielte Fragerunden oder Diskussionsphasen) oder sich durch Mitarbeitende, studentische Hilfskräfte oder einzelne Veranstaltungsteilnehmende unterstützen zu lassen. Diese Personen können den Chat und die Online‑Beiträge beobachten, Fragen bündeln, auf technische Probleme hinweisen und Sie bei der Moderation entlasten. Bedenken Sie auch datenschutzrechtliche Aspekte, z. B. dass Nachrichten von allen gelesen werden können, wenn der ganze Bildschirm angezeigt wird (in Zoom Rooms). In diesem Fall benennen an wen im Chat die Nachrichten gesendet werden sollen oder darüber informieren. Zudem sollte hier sowie in Live-Demos darauf geachtet werden, dass Benachrichtigungen deaktiviert und Programme mit personenbezogenen Inhalten (z. B. E-Mail-Programme, Messenger) geschlossen sind.
Geduld und Offenheit für Improvisation
Hybride Lehr‑Lernsettings bringen neue Möglichkeiten, aber auch neue Abläufe mit sich. Gerade zu Beginn benötigen alle Beteiligten etwas Geduld – im Umgang mit der Technik ebenso wie in der gemeinsamen Abstimmung von Kommunikationswegen. Ein gewisses Maß an Improvisation gehört dazu und kann helfen, aus den ersten Erfahrungen passende Routinen für zukünftige Veranstaltungen zu entwickeln.