Iterative Entwicklungen im Sinne von Qualitätsmanagement stehen immer in einem Spannungsfeld zwischen fachlicher Arbeit im Studiengang, vorhandenen Strukturen und den eingesetzten Tools. Viele der Vorgehensweisen, die im Qualitätsmanagement für Lehre und Studiengänge genutzt werden, sind aus der Forschung bekannt.
In Forschungsprojekten werden Fragestellungen geklärt, Vorgehensweisen geplant, Daten erhoben, analysiert und auf dieser Grundlage weitere Schritte angepasst. Dokumentation, der bewusste Umgang mit Evidenzen und iterative Entwicklungen gehören dort zum professionellen Arbeiten. Für Lehre und Studiengangentwicklung lassen sich diese Prinzipien übertragen. Lehrkonzepte, Prüfungsformate und Abläufe im Studium werden geplant, umgesetzt, anhand von Rückmeldungen und Ergebnissen überprüft und weiterentwickelt. QM-Methoden für iterative Entwicklungen – etwa zyklisches Arbeiten nach dem PDCA-Muster, strukturierte Reflexions- und Analyseformen oder klare Dokumentationspraxis – machen diese Schritte sichtbar und unterstützen eine nachvollziehbare Weiterentwicklung. Damit ist Qualitätsmanagement in Lehre und Studium kein fremdes Konzept neben der wissenschaftlichen Arbeit, sondern nutzt Denk- und Arbeitsweisen, die aus der Forschung vertraut sind, in einem anderen Anwendungsfeld.
Änderungen in Lehrformaten, Anpassungen in Prüfungsformen, neue Absprachen im Studiengang oder kleine Vereinfachungen in Abläufen bleiben im Alltag oft unsichtbar, v.a. wenn sie nur mündlich vereinbart werden. Wer Abläufe oder Lehrkonzepte weiterentwickeln möchte, braucht nachvollziehbare Grundlagen: Rückmeldungen von Studierenden, Ergebnisse von Prüfungen, Erfahrungen aus der Lehrpraxis, Hinweise aus Beratung oder Verwaltung. Diese Evidenzen können in Protokollen, Auswertungen, Notizen oder Systemdaten vorliegen. Tools wie Lernplattformen, Campus-Management-Systeme oder einfache gemeinsame Dokumente dienen hier weniger als Selbstzweck, sondern als Orte, an denen solche Informationen auffindbar und für spätere Reflexionen nutzbar werden. Durch bewusst gewählte Formen der Dokumentation, etwa kurze Maßnahmenübersichten, festgehaltene Lehrteam-Beschlüsse oder kommentierte Versionsstände von Modul- und Veranstaltungsbeschreibungen, können Entwicklungen über ein Semester hinaus nachvollzogen werden. Auf diese Weise werden Entwicklungen sichtbar gemacht. Die Sichtbarkeit dessen, was im „Kleinen“ reflektiert wird, ist eine Voraussetzung dafür, dass ein Studiengang als Ganzes aus Erfahrungen lernen kann.
Als Reflexions- und Analysewerkzeuge bieten sich zum Beispiel strukturierte Auswertungsfragen nach einer Evaluation, einfache Analysehilfen für Prüfungsleistungen, Ursachenanalysen bei wiederkehrenden Problemen oder moderierte Rückblickrunden in Lehrteams an. Solche Werkzeuge helfen, Daten und Erfahrungen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern sie in gemeinsame Deutungen zu überführen: Was bedeutet das für den Studiengang? Wo besteht Handlungsbedarf? Welche Stärken sollen ausgebaut werden?
Auf dieser Grundlage wird Entscheidungsfindung im Lehrteam möglich. Entscheidungen über Änderungen an Lehrformaten, Prüfungen oder Abläufen werden idealerweise dort getroffen, wo die fachliche Verantwortung liegt. QM-Methoden können hier Struktur geben, etwa indem vor einer Entscheidung Ziele und Kriterien geklärt, Varianten beschrieben und die Folgen für Studierende, Lehrende und Verwaltung berücksichtigt werden. Tools für gemeinsame Dokumente oder Sitzungsprotokolle unterstützen dabei, solche Entscheidungen festzuhalten und für weitere Beteiligte nachvollziehbar zu machen.
Zyklisches Arbeiten zeigt sich schließlich im Alltag häufig in Form von „Mini-PDCA“-Schleifen. Kleine, überschaubare Änderungen werden geplant, im nächsten Durchlauf erprobt, anhand weniger, aber klarer Beobachtungen oder Rückmeldungen geprüft und entweder wieder verworfen oder in den Regelbetrieb übernommen. Entscheidend ist, dass dieser Zyklus bewusst vollzogen wird und nicht bei der einmaligen Änderung stehenbleibt.
Kollaboration im Studiengang verbindet all diese Elemente. Wenn Lehrende, Studiengangsleitung, Verwaltung und Services ihre Perspektiven einbringen, können Evidenzen breiter gesammelt, Entwicklungen abgestimmt und Entscheidungen gemeinsam getragen werden. Strukturelle Herausforderungen – etwa knappe Ressourcen, unterschiedliche Fachkulturen oder begrenzte Handlungsspielräume – verschwinden dadurch nicht, können aber benannt und in den Verbesserungsprozessen berücksichtigt werden. QM-Methoden und Tools bieten den Rahmen, in dem solche kollaborativen Prozesse stattfinden können; die inhaltliche Gestaltung bleibt Aufgabe der Beteiligten im Studiengang.
Heutzutage gibt es Vielzahl an Methoden und Tools, die sich weiterentwickelt haben und nicht mehr nur in der Industrie eingesetzt werden.
Bei den vorgestellten Tools wird der Fokus auf zentrale von der PH Weingarten bereitgestellten Diensten gelegt. Es gibt darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Tools, deren datenschutzrechtlicher und technischer Support nicht beim ITM oder ZenDi liegen.
Der PDCA‑Zyklus ist eine Methode zur kontinuierlichen Verbesserung. Er wird auch Deming‑Kreis, Deming Cycle oder Shewhart Cycle genannt; eine verbreitete Variante ist PDSA (Plan–Do–Study–Act). PDCA wurde ursprünglich zur Verbesserung von Prozessen und Produkten im industriellen Qualitätsmanagement entwickelt. Heute wird er als allgemeines Steuerungs‑ und Lernmodell auch in Organisationen wie Hochschulen sowie in der Projektarbeit eingesetzt. PDCA ist eine grundlegende Methode des Qualitäts‑ und Prozessmanagements. Die gleichen Prinzipien lassen sich in Produktion und Dienstleistung, in Verwaltungsprozessen sowie in Lehre, Studium und Projekten anwenden.
Der Ablauf ist vierstufig:
Danach beginnt der Zyklus erneut.
Im Hochschulalltag lässt sich dieser Ablauf folgendermaßen umsetzen:
Beispiel 1: Lehre - eine Lehrveranstaltung überarbeiten
Beispiel 2: Lehre - eine Lernstrategie entwickeln
Beispiel 3: Forschung - einen Forschungsprozess organisieren
Beispiel 4: Verwaltungs - Serviceprozesse optimieren
Für die Zusammenarbeit im PDCA‑Prozess stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung. Der Zoom X unterstützt die Zusammenarbeit in internen Teams hinsichtlich Tools für die gemeinsame Projekt- und Prozessdokumentation aber auch hinsichtlich einfacher laufende Abstimmung im Team (Whiteboards, Notizen, Canvas, Umfragen/Quiz und Team Chat). Bis auf den Team Chat sind alle Tools sowohl über Webportal und Zoom Client nutzbar. Der Team Chat unterstützt als Messenger datenschutzkonform die Kommunikation, zum Beispiel bei der Planung von Maßnahmen oder der Klärung von Ergebnissen. Gleichzeitig lassen sich hierüber Absprachen auch schriftlich in gemeinsamen Kanälen dokumentieren. Damit PDCA an der Hochschule nachvollziehbar und anschlussfähig bleibt, sollten alle Phasen (Plan, Do, Check, Act) möglichst einheitlich dokumentiert werden. Für die Projekt‑ und Prozessdokumentation eignen sich zentrale, geteilte Ablagen. An der PH Weingarten können z.B. Moopaed, bwSync&Share und das Netzwerklaufwerk zur Ablage von Materialien, Protokollen und Ergebnissen genutzt werden. bwSync&Share ist ein leistungsfähiger Online-Speicherdienst für Mitarbeiter*innen sowie Studierende der Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg. Fokus liegt auf Synchronisieren und Teilen von Desktop-Daten. Durch die Einbindung von Nextcloud-Apps ist aber auch mit der Web-Anwendung Nextcloud Office möglich Microsoft Office Dokumente (Word, Excel, PowerPoint) zu bearbeiten, ohne dass ein Download nötig ist. Darüber hinaus können auch mehrere Partner zusammen an einem in Nextcloud Office geöffneten Dokument arbeiten. Daher bieten sich für die eigentlichen Inhalte (z. B. Zielbeschreibungen, Maßnahmenpläne, Auswertungen) Office‑Dokumente an, die strukturiert abgelegt und versioniert werden, sodass Beteiligte den PDCA‑Zyklus gemeinsam weiterführen können. Tipps und Tricks für die Nutzung von bwSync&Share werden vom KIT bereitgestellt.
Für die Check‑Phase steht mit LimeSurvey ein zentral bereitgestelltes Umfrage‑Tool zur Verfügung. Es kann für Lehrveranstaltungsevaluationen, Befragungen zu Serviceprozessen und Projektfeedback genutzt werden. Die mit LimeSurvey erhobenen Ergebnisse fließen in die Auswertung (Check) ein und bilden eine wichtige Grundlage für Entscheidungen in der Act‑Phase. Neben LimeSurvey bietet Zoom X in Online‑ und Hybrid‑Veranstaltungen die Möglichkeit, direkt Feedback einzuholen und auszuwerten, zum Beispiel über Quiz‑Funktionen und interaktive Whiteboards. Zudem lassen sich Rückmeldungen zu Inhalten, Methoden und Abläufen unmittelbar in der Lehrsituation sammeln, die später in die Check‑ und Act‑Phasen des PDCA‑Zyklus einbezogen werden können.
Für die Planung und Darstellung von PDCA‑Zyklen und Maßnahmen können verschiedene Visualisierungstools genutzt werden. Visualisiert werden v.a. Zeitpläne und Meilensteine, Prozesse und Aufgaben (z.B. mit Kanban-Boards). bwSync&Share Deck eignet sich als Kanban‑Board mit Spalten wie Plan, Do, Check und Act. Zoom X Whitboards haben eine Vielzahl an Vorlagen, wie z.B. Kanban-Board und können individueller gestaltet werden. Zoom X Whiteboards können sowohl in Zoom‑Meetings als auch unabhängig davon verwendet werden. Anders als das Deck in bwSync&Share lassen sich die Zoom X Whiteboards nur hochschulintern teilen. Sie lassen sich über die Zoom App öffnen und ermöglichen es, gemeinsam Prozesse zu skizzieren, PDCA‑Schritte zu visualisieren, Aufgaben zu clustern oder einfache Ablaufdiagramme zu erstellen. So können hochschulinterne Teams auch außerhalb von Sitzungen Ideen festhalten und weiterentwickeln und diese Darstellungen später wieder in Besprechungen aufgreifen.
Die Kanban-Methode gehört zu den Projekt- und Prozessmanagementmethoden, die sich aufgrund ihrer einfachen Struktur und Handhabung gut im Alltag einsetzen lässt. Kanban (Entwicklung) wird deshalb inzwischen nicht nur in der Produktionssteuerung und der Softwareentwicklung verwendet.
Bei der Kanban-Methode steht die Aufrechterhaltung des Arbeitsflusses im Mittelpunkt. Die Projekttafeln, auf denen Haftzettel (z.B. Post-its) zur Visualisierung des Projektstatus oder des Arbeitsstatus zur Visualisierung in Spalten angebracht sind, nennt man Kanban-Boards. Sie sollen auf einem Blick ermöglichen, einen Überblick über den Arbeitsfluss zu erhalten und den Arbeitsstatus, Probleme und Herausforderungen sofort zu erkennen. Heutzutage sind sowohl physische als auch Online-Boards im Einsatz. Ursprünglich wurden Karten auf Whiteboards im Projektraum aufgehängt. Sie werden in allen Branchen eingesetzt, in denen die Sichtbarkeit des Arbeitsstatus dabei helfen soll die Arbeit zu strukturieren. Da die Kanban-Boards leicht auf spezifische Anforderungen angepasst werden können, lassen sie sich sowohl für eigene Arbeitsabläufe als auch für Arbeiten im Team einsetzen. So kann z.B. auf Unterbrechungen und Verzögerungen bereits frühzeitig reagiert und der Entwicklungsprozess gesteuert werden.
Für die Erstellung von Kanban-Boards sind vier Schritte nötig, ein fünfter dient dem Arbeitsfluss:
Kanban‑Boards unterstützen dabei, Workflows in Lehre, Studium, Forschung sowie Verwaltungs‑ und Servicebereichen sichtbar zu machen. Aufgaben und Maßnahmen werden als Karten angelegt und entlang des gewünschten Ablaufes (Workflow) von „offen“ über „in Bearbeitung“ bis „abgeschlossen“ bewegt. Sie können aber auch wie in den oben dargestellten PDCA-Beispielen angelegt werden. Wie solche Karten aussehen können, wird in den nachfolgenden Beispielen gezeigt. Da manche Aufgaben für denjenigen, der eine Aufgabe bearbeitet weitere Teilaufgaben bedeutet, ist es sinnvoll, dass man in diesem Fall neben den Team-Boards auch eigene Kanban-Boards erstellt, in denen der Überblick behalten wird, was alles gemacht werden muss, um eine Aufgabe abzuschließen.
Beispiel 1: Lehre - Lehrveranstaltung weiterentwickeln
Beispiel 2: Lehre - Studiengangs‑ oder Modulorganisation
Beispiel 3: Studien‑ und Forschungsprojekte
Beispiel 4: Verwaltungs‑ und Serviceprozesse